Der Waldboden - Boden des Jahres 2011

Mit der Aktion „Boden des Jahres“ will die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz BGS/SSP zum Bodenbewusstsein beitragen. Böden sind zumeist sprichwörtlich unter unseren Füssen verborgen. Ihre vielfältigen Aufgaben für Natur und Mensch sollen den Menschen besser bewusst werden. Dies ist Voraussetzung für mehr  Wertschätzung für die Böden und damit zum haushälterischen und sorgsamen Umgang mit der Bodenfläche und mit den Böden.

Der Waldboden ist aufgrund seiner vielfältigen Aufgaben für Natur und Mensch zum Boden des Jahres 2011 in der Schweiz gewählt worden. Lesen Sie, was Persönlichkeiten aus Forschung und Praxis dazu sagen:

„Nur in gesunden Waldböden können all die Bäume gut wurzeln und sich ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Tragen wir Sorge dazu, dass der oft unsichtbare Schatz an Waldböden langfristig gesund bleibt.“
Dr. Roland Bono, Präsident der Bodenkundlichen Gesellschaft der Schweiz BGS-SSP

Steckbrief: Der Waldboden

Das Jahr 2011 wurde von den Vereinten Nationen (Resolution 61/193) zum Internationalen Jahr der Wälder erklärt. Dies hat die BGS zum Anlass genommen, den Waldboden zum Boden des Jahres 2011 zu küren. Wohlwissend, dass die Bodenvielfalt unter den Schweizer Wäldern gross ist, wurde stellvertretend ein typischer und häufiger Waldboden aus dem Mittelland (Kanton Aargau) ausgewählt.

Steckbrief dieses Bodens: Beispielboden Othmarsingen S. 179-210 aus Band 1, 2004: Waldböden der Schweiz. Grundlagen und Region Jura. Birmensdorf, Eidg. Forschungsanstalt WSL, Bern, Hep-Verlag. 768 S.
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Am Beispiel dieser tiefgründigen Parabraunerde auf Moräne wird aufgezeigt, welche wichtigen Ökodienstleistungen – neben der Holzproduktion – ein solcher Waldboden für den gesamten Naturraum und damit auch für uns erbringt:

 

 

Der Waldboden als Wasserspeicher

Ein tiefgründiger Waldboden kann in seinen Hohlräumen pro Quadratmeter über 250 Liter Wasser speichern – ein Viertel des Jahresniederschlages. Dank diesem Wasserrückhaltevermögen wird die Hochwassergefahr vermindert.
> www.wald-in-not.de > Wilde Wasser, Download pdf

Der Waldboden als Wasserfilter

Schmutzpartikel und Schadstoffe im Regenwasser werden zurückgehalten. Das heisst, das durch den Waldboden sickernde Regenwasser wird gereinigt und kann als Trinkwasser genutzt werden.
> Bundesamt für Umwelt > Themen > Wald
Der Eintrag von Luftfremdstoffen mit dem Regen gefährdet jedoch diese Reinigungsfunktion.

Der Waldboden als Verwerter von organischen Rückständen

Fallen die Blätter im Herbst auf den Boden, so beginnt auch gleich ihr einige Jahre dauernder Zersetzungsprozess, indem Bodenlebewesen sie nach und nach in Humus umwandeln. Zudem werden über viele chemische Schritte die darin enthaltenen Nährstoffe so aufbereitet (recycliert), dass sie wieder von den Baumwurzeln aufgenommen werden können – womit der Kreislauf der Nährstoffe von Neuem beginnt.
> www.wald-in-not.de > Was der Waldboden leistet > Download pdf
Werden Bäume gefällt und ihre Stämme abgeführt, so gehen dem Waldökosystem nur wenig Nährstoffe verloren. Wird hingegen – wie früher üblich – regelmässig Laub im Herbst gesammelt (z.B. als Einstreu für die Tiere), so kann der Waldboden den Bäumen nicht mehr genügend Nährstoffe für ein gutes Wachstum zur Verfügung stellen. Das Nährstoffrecycling wird durch sauren Regen und das Befahren bei nassem Boden gefährdet.

Der Waldboden als Lebensraum

Mit ihrer grossen Tier- und Pflanzenvielfalt bereichern die Wälder die Landschaften im Mittelland. Aber auch in ihrem verborgenen Untergrund – dem Waldboden – lebt eine enorme Vielfalt an Organismen, die wir erst zu einem kleinen Teil kennen.
http://www.waldwissen.net/themen/waldoekologie/boden_standortkunde/bfw_regenwurm_2009_DE?start=0

Gefährdeter Waldboden

Die aus Luftfremdstoffen gebildeten und mit den Niederschlägen in den Boden eingetragenen Säuren überfordern zunehmend die Pufferkapazität vieler Waldböden. Der natürliche Versauerungsprozess wird dadurch beschleunigt, die Lebensbedingungen für Wurzeln und Bodentiere verschlechtern sich, die Bodenfruchtbarkeit nimmt schleichend ab.
> Institut für angewandte Pflanzenbiologie > Publikationen > Bodenversauerung pdf
Unsachgemäss eingesetzte Maschinen bei der Holzernte können das Hohlraumsystem von Waldböden nachhaltig schädigen. Um Bodenverdichtungen zu vermeiden, ist vorsorgliches Handeln oberstes Gebot.
> WSL > Dienstleistungen > Publikationen > Physikalischer Bodenschutz im Wald

Testimonials für den Waldboden

[Die einzelnen Testimonials werden jeweils nur in ihrer Originalsprache aufgeschaltet]

«Waldböden sind ungeheuer vielfältig und noch weitgehend naturbelassen. Sie erbringen zahlreiche Leistungen für eine gesunde und ökologisch funktionsfähige Umwelt»
Prof. Dr. Thomas Mosimann, Institut für Physische Geographie und
Landschaftsökologie, Leibniz Universität Hannover.

«Wer den langfristigen Wert eines intakten Waldbodens als Produktionsgrundlage erkannt hat, wird bei der Holzernte einen gewissen Mehraufwand zugunsten des Bodenschutzes bewusst in Kauf nehmen.»
Peter Ammann, Projektleiter "Bodenschutz im Wald", Abteilung Wald Aargau

«Die Vielfalt von Waldböden und ihre kleinräumige Heterogenität ist eine grosse Herausforderung für Forschung und Lehre. Ich hoffe, dass auch zukünftige Generationen diese Vielfalt erleben, erkennen und wertschätzen können.»
Prof. Dr. Christine Alewell, Institut für Umweltgeowissenschaften, Universität Basel

«Der Boden eines naturnahen Waldes duftet, federt und ist voller Geheimnisse und Leben. In einer Baumplantage ist mit dem Wald auch der Boden zerstört.»
Prof. Dr. Rainer Schulin, Institut für Terrestrische Ökosysteme, ETH Zürich, Gruppe Bodenschutz

«So abwechslungsreich unsere Wälder sind, so vielfältig und voller Leben sind die Böden, in denen die Bäume und Sträucher wurzeln, die ihnen Halt geben und sie ernähren. Es lohnt sich, diese unbekannte Welt unter unseren Füssen kennen zu lernen.»
Gaby von Rohr, Bodenschutz-Fachstelle, Amt für Umwelt des Kantons Solothurn

«Der Boden ist die Schaltzentrale des Waldes. Ein intakter Boden ist die beste Garantie dafür, dass unsere Wälder auch in Zukunft noch ihre wichtigen Leistungen vom Hochwasserschutz über die Hangstabilisierung bis zur Erholung beim Wandern erbringen können.»
Prof. Dr. Wolfgang Wilcke, Geographisches Institut, Universität Bern

«Avec la forêt tropicale et les grands fonds océaniques, le sol est considéré comme une des trois dernières frontières de la biodiversité. Imaginons tout ce qu’il reste à découvrir sous les feuilles mortes de la forêt...! »
Prof. Dr. Jean-Michel Gobat, Laboratoire Sol & Végétation, Université de Neuchâtel

«Les sols des forêts alluviales offrent une grande diversité d'habitats pour la pédofaune. Acariens, collemboles et vers de terre font partie des acteurs indispensables au recyclage de la matière organique. La biodiversité des sols, leur stabilité et leur maintien sont essentiels pour la préservation des écosystèmes alluviaux.»
Dr. Claire Le Bayon, Laboratoire Sol & Végétation, Université de Neuchâtel

« Seule sa surface est visible, mais c’est en profondeur que le sol est la véritable usine de la vie. Les sols forestiers, souvent proches de leur état naturel, sont particulièrement riches et biologiquement diversifiés. Cette diversité biologique leur permet d’assurer des fonctions de production, de recyclage, de réservoir, etc. qui nous sont tout simplement indispensables. On dit que l’arbre cache parfois la forêt…mais il ne devrait jamais cacher le sol ! »
Dr. Elena Havlicek, Office Fédéral de l'Environnement OFEV, Division Sol