Der Ackerboden - Boden des Jahres 2012

Mit der Aktion „Boden des Jahres“ will die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz BGS/SSP zum Bodenbewusstsein beitragen. Böden sind zumeist sprichwörtlich unter unseren Füssen verborgen. Ihre vielfältigen Aufgaben für Natur und Mensch sollen den Menschen besser bewusst werden. Dies ist Voraussetzung für mehr  Wertschätzung für die Böden und damit zum haushälterischen und sorgsamen Umgang mit der Bodenfläche und mit den Böden.

Die fruchtbaren Ackerböden stellen unsere Lebensgrundlage schlechthin dar und sind eine begrenzte Ressource. Zurzeit stehen mehrere politische Themen um den Ackerboden im Parlament zur Debatte, z.B die Landschaftsinitiative und die Agrarpolitik 2014 bis 2017.

„Ackerböden sind unsere produktivsten und gleichzeitig am stärksten bedrohten Böden. Gerade hier ist ein haushälterischer Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource besonders angezeigt – Setzen wir unser Wissen um!“
Dr. Reto Giulio Meuli, Vize-Präsident der Bodenkundlichen Gesellschaft der Schweiz BGS-SSP

 

Steckbrief: Der Ackerboden

Im Jahr 2012 stehen mit der Agrarpolitik 2014 bis 2017 und der Landschaftsinitiative in der Schweiz wegweisende Entscheide an zum Umgang mit unseren Ackerböden. Dies hat die BGS zum Anlass genommen, den Ackerboden zum Boden des Jahres 2012 zu küren.

Typischer Ackerboden in Luzern

Stellvertretend für die Schweizer Ackerböden wurde ein typischer Ackerboden im Kanton Luzern ausgewählt. Dieser ist im Rahmen der Etappe 3 der Bodenkartierung Luzern im September 2011 beschrieben worden. Unter anderem ist auch im Kanton Solothurn seit mehreren Jahren eine Bodenkartierung am Laufen.

Bodenkarten sind für die Behörden in verschiedenen Bereichen ein wichtiges Instrument. Sie dienen unter anderem als Grundlage für:
- die Ausscheidung von Bau- und Landwirtschaftszonen
- eine bodenschonende Bewirtschaftung
- die Abgrenzung von Schutzzonen für Grundwassergebiete und im Hochwasserschutz
- die Planung von umweltgerechtem Einsatz von Dünger

> Bodenkartierung Kanton Luzern
> Bodenkartierung Kanton Solothurn
> Bodeninformation Kanton Basel-Landschaft

 

Boden ist nicht gleich Boden

Verschiedene Faktoren bestimmen die Entstehung eines Bodens: das Gestein, woraus der Boden entstanden ist, die Lage im Gelände, das Klima, die Zeitdauer, die Lebewesen, welche die Materialen vor Ort umwandeln und der Mensch mit seiner Nutzung.

Anhand ausgewählter Eigenschaften lässt sich ein Boden beschreiben und charakterisieren:

  • In erster Linie werden Bodentypen aufgrund ihres Wasserhaushaltes eingeteilt. Es gibt «durchlässige», «stauwassergeprägte» und «grund- oder hangwasser­geprägte» Böden.
  • Die pflanzennutzbare Gründigkeit beschreibt, wie gross das durchwurzelbare Volumen und damit Wasser- und Nährstoffspeichervermögen sind.
  • Die organische Substanz (OS) färbt die oberste Boden­schicht dunkel. Sie stabilisiert die Bodenkrümel und verbessert das Wasser- und Nährstoffspeichervermögen.
  • Ton-, Schluff- und Sandgehalt eines Bodens bestimmen dessen Bodenart und damit viele Bodeneigenschaften.

 

Steckbrief Ackerboden " Stutzfeld" in Dagmersellen, Kanton Luzern

Bodentyp: Braunerde auf Würm-Moräne
Wasserhaushalt:  normal durchlässig
Pflanzennutzbare Gründigkeit: tiefgründig (90 cm)
OS-Gehalt im Oberboden:  2.5%
Bodenart:  sandiger Lehm
Steingehalt: gering
Relief: Kuppenlage (leicht erodiert)

+   Dieser Boden zeichnet sich durch gute Durchlässigkeit und Durchlüftung aus.
+   «sandiger Lehm» entspricht einem eher leichten Boden, der für die Bearbeitung ideal und für alle Kulturen geeignet ist (Fruchtfolgeflächen). Alle Anbautechniken sind einsetzbar.
-   Der OS-Gehalt ist niedrig. Dies wirkt sich ungünstig auf die Nährstoffverfügbarkeit für die Pflanzen und auf die Bodenstabilität aus.
-   Die Kuppenlage und der niedrige OS-Gehalt begünstigen die Erosion - daraus resultiert ein eher geringmächtiger Oberboden und ein erhöhtes Risiko von Bodenverlusten.

 

Landwirtschaftliche Produktion

Gute Ackerböden zeichnen sich durch ihre Fruchtbarkeit, ihre vielseitige Nutzbarkeit und ihre leichte maschinellen Bewirtschaftbarkeit aus. Dies steht im Gegensatz zu den Landwirtschaftsflächen in der Hügel- und Bergzone, die sich in erster Linie für die Graslandnutzung eignen.

Das Ertragspotential von 1 ha Ackerboden beträgt pro Jahr je nach Kultur z.B. für:
Kartoffeln 33 t
Mais  10 t
Weizen  6 t

0.15 bis 0.22 ha landwirtschaftliche Produktionsfläche werden pro Person für die aktuelle westeuropäische Ernährung mit den heutigen Konsumgewohnheiten beansprucht.
0.07 ha pro Person ist das ernährungsphysiologische Minimum, wenn der Konsum von von tierischen Produkten um mindestens die Hälfte reduziert wird.
Auf den Ackerflächen der Schweiz (Fruchtfolgeflächen) können auf der Basis heutiger Ernährungsgewohnheiten Lebensmittel für 2-3 Millionen Menschen erzeugt werden.

 

Testimonials für den Ackerboden

[Die einzelnen Testimonials werden jeweils nur in ihrer Originalsprache aufgeschaltet]

 

«Bevölkerungsreiche und finanzstarke Länder, aber auch global tätige Unternehmen haben erkannt, dass fruchtbare Böden weltweit zur begehrenswerten Ressource werden. Auf ihrer Einkaufstour sichern sie sich Millionen von Hektaren guten Boden. Das müsste uns in der Schweiz mit gerade einer Million Hektaren Landwirtschaftsfläche nachdenklich stimmen!»
Matthias Achermann, Kanton Luzern, Umwelt und Energie

«Der Klimawandel und die weltweit abnehmenden natürlichen Ressourcen werden uns auch in der Schweiz dazu zwingen, mit weniger Input gleichviel oder sogar mehr Nahrungsmittel zu produzieren. Das ist nur möglich, wenn wir unsere Ackerböden endlich vor Ueberbauungen schützen und sie mit nachhaltiger Bewirtschaftung fruchtbar, gesund und lebendig erhalten.»
Maya Graf, Nationalrätin Grüne BL, 2. Vizepräsidentin des Nationalrates

«Héritées de nos anciennes civilisations agraires, les terres arables sont le résultat de plus de 5000 ans de travail de l’Homme. Aujourd’hui, il nous incombe de préserver ce patrimoine qui déterminera encore notre avenir.»
Elisabeth Clément, Office fédéral du Développement territorial ARE, Section Espaces ruraux et Paysage.

«Wenn Banken zusammenbrechen, wird es schmerzhaft. Wenn Ackerboden verloren geht, hungern wir.»
Toni Candinas, Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Direktionsbereich Strategie und Evaluation FB Ökologie

«Gesunde Böden sind ein rares Gut geworden, bedrängt von schweren Maschinen, intensiver Nutzung und Verbauung. Täglich werden Böden in der Grössenordnung von 10 Fussballfeldern versiegelt. Dieser Ressourcenverschleiss ist dringend zu stoppen!»
Raimund Rodewald, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL)

«Le sol cultivé en Suisse s'est formé en plusieurs milliers d?^'années après la fonte des glaces. Son importance capitale pour l'homme doit être répétée à chaque génération car le respect de la terre végétale n'est pas inné.»
Claude Kündig, Canton de Vaud, Service des eaux, sols et assainissement (SESA)

«Fruchtbare Ackerböden sind eine unabdingbare Voraussetzung für unsere heutige Ernährung und somit eine essentielle Lebensgrundlage. Es liegt deshalb in unserem eigenen Interesse, mit dieser endlichen Ressource sorgfältig und respektvoll umzugehen.»
Marc Zuber, Abteilungsleiter, Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern

«Die ackerfähigen Böden sind im Glarnerland rar: gerade deshalb ist es wichtig diesen Böden den best möglichen Schutz zu gewähren. Dies bedeutet aber nicht, dass Wiesen und Weiden weniger wert haben! Sorge ist allen landwirtschaftlichen Böden zu tragen. Leider ist dies vielen Leuten noch nicht genügend bewusst.»
Marco Baltensweiler, kanton glarus, Abteilung Landwirtschaft

«Ackerböden sind unsere produktivsten und gleichzeitig am stärksten bedrohten Böden. Gerade hier ist ein haushälterischer Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource besonders angezeigt – Setzen wir unser Wissen um!»
Reto Giulio Meuli, BGS Vizepräsident.