Der Moorboden- Boden des Jahres 2015

Anlässlich des Weltbodentags vom 5. Dezember 2014 ernennt die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz (BGS) den Moorboden zum Boden des Jahres 2015.

Mit dieser Wahl sensibilisiert die BGS die Öffentlichkeit für dieses Thema und hofft, dass möglichst viele Interessierte vermehrten Zugang zu diesen spannenden Böden finden.

Steckbrief

 

Bodentyp: Flachtorfiges Moor
Bodenart: Torf über feinkörniger Mineralerde
Ort: Chrüzwald, Voralp / Grabserberg (Kanton St. Gallen), 1320 m ü. M.

Der nasse Moorboden liegt in einem lichten Fichtenwald am Rande eines kleinen Hochmoores. Unter einem mächtigen, sehr stark saurem Torfkörper folgen die wasserstauenden Schichten des supalpinen Flysches (klastische, marine Sedimentabfolge von teilweise intensiv verformten und metamorphen Ton- und Sandsteinen). Aufgrund des permanent hohen Wasserspiegels ist der Abbau des Torfes gehemmt. Natürliche Moorböden sind ökologisch sehr wertvoll. Mit den hohen Wassergehalten und den besonderen Nährstoffverhältnissen kommen nur angepasste, meist selten vorkommende Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt zurecht. Dazu gehören beispielsweise der Große Feuerfalter, das Wollgras und die Seggen. Es handelt sich um einen Spezialstandort, der kaum für eine Bewirtschaftung geeignet ist.

Funktionen intakter Moorböden

Moorböden erfüllen eine Vielzahl von Funktionen. Sie bieten Lebensraum für zahlreiche, an die feuchten Verhältnisse angepasste Tier- und Pflanzenarten. Moorböden sind wichtige Speicher von Kohlenstoff. Weltweit sind in Moorböden schätzungsweise 500 Mia. t Kohlenstoff gespeichert, was einer Menge von 60% des in der Atmosphäre vorhandenen Kohlenstoffes entspricht. Moorböden spielen eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. Ein Grossteil der im schweizerischen Flachmoorinventar eingetragenen  Moore wird zumindest teilweise beweidet. Eine nachhaltige Nutzung von Moorböden kann nur in vernässtem Zustand erfolgen, mit sogenannter Paludikultur. Dabei werden die natürlichen Vegetationsbestände der Moore verwertet, beispielsweise Schilf als Energiepflanzen.

Degradierung und Gefährdung

Die Gefährdung der Moore geht heute in erster Linie von Entwässerungen aus. Sowohl land- und forstwirtschaftliche Nutzung wie auch die heute in der Schweiz verbotene Torfgewinnung setzen eine Wasserregulierung voraus: Der Wasserspiegel im Torfkörper muss abgesenkt werden. Sauerstoff gelangt so in den zuvor wassergesättigten Torf, die Mineralisierung («Verwesung», Abbau der organischen Substanz) beginnt, der Torfkörper schrumpft und die Mooroberfläche sackt zusammen. Durch die Entwässerung und teilweise auch Überschüttung dieser Moorböden werden die Bodeneigenschaften oft irreversibel verändert. Je häufiger und intensiver die Nutzung bzw. Drainagetiefe ist, desto rascher verschwindet die organische Substanz.

Moore als Archive

Der gehemmte Abbau und die Anreicherung von organischem Material führen in Moorböden zu einer zeitlich geordneten Archivierung in vielfältiger Hinsicht. Ein grausiges Beispiel sind sogenannte «Moorleichen», welche in Mooren über Jahrhunderte konserviert und dann gut erhalten gefunden wurden. Wissenschaftlich sehr wertvolle Archive sind lebende Regen-/Hochmoore, welche seit Jahrtausenden alljährlich eine kleine Torfschicht anreichern. Mit dem Regenwasser wird unter anderem Blei als Staubpartikel eingetragen und schichtgerecht eingeschlossen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Bleikonzentrationen, die in Moorböden je nach Tiefe unterschiedlich hoch sind, Klimaveränderungen oder geschichtliche Ereignisse zeitlich sehr genau dokumentieren.

Testimonials - Témoignages - Testimonianze

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"La valeur esthétique de ces sols de marais est absolument remarquable ! Je garde le souvenir de ce splendide HISTOSOL FIBRIQUE dans une pessière à sphaignes de la Vallée de Joux où, sur plus de 2 m de profondeur, alternaient des variations de tons bruns, roux, couleur chocolat voire très noire. RéDOXISOLS et réductisols ne sont pas en reste dans ces milieux également, avec des gammes de couleurs orangées et verdâtres tout à fait incroyables. Un plaisir pour les yeux !"

Claire Le Bayon, Universität Neuchâtel

 

"Les sols tourbeux de Suisse sont très morcelés, répartis dans de nombreuses régions et jouant un rôle important tant pour la production de légumes que comme écosystèmes très particuliers hébergeant certaines espèces rares. Leur teneur en matière organique élevée les met au premier plan comme puis de carbone. Leur mise en culture est délicate et conduit souvent à leur dégradation. Ce sont des sols sensibles et fragiles qu’il est indispensable de connaître !"

Stéphane Burgos, Präsident BGS

 

"Je intensiver wir einen Torfboden entwässern und nutzen, desto schneller wird er abgebaut: wir leben nicht von den Zinsen, sondern vom Kapital!"

Moritz Müller, Berner Fachhochschule, HAFL, Zollikofen

 

"Moorboden widerspiegelt und archiviert eine jahrtausendealte Geschichte der Vegetationsentwicklung. Gleichzeitig ist er die Lebensgrundlage einer spezialisierten Fauna und Flora. Moorboden ist besonders und wertvoll."

Jan Ryser, Geschäftsführer Pro Natura Bern

 

"In einer Moorlandschaft ist der Moorboden eines der zentralen Elemente. Ihn gilt es zu schützen.  Daneben haben wir den Menschen, mit seinen Ansprüchen und Bedürfnissen. Somit stehe ich als Ranger immer zwischen Nutzen und Schützen."

Lukas Schärer, Ranger Moorlandschaft Habkern- Sörenberg

 

"Langfristig können Ackerbaustandorte auf Moorböden nur durch Bodenverbesserungen, also durch das fachgerechte Zuführen und Einbauen von fruchtbarem Bodenmaterial, erhalten bleiben. Der Moorboden ist aber nicht nur für den Ackerbau sondern auch für den Natur- und Artenschutz von sehr grosser Bedeutung."

Brigitte Suter, Umwelt und Energie (UWE), Kt. Luzern