Der Rebbergboden - Boden des Jahres 2014

Anlässlich des Weltbodentags vom 5. Dezember 2013 ernennt die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz (BGS) den Rebbergboden zum Boden des Jahres 2014. Rebbergböden erzählen eine spannende, natürliche und menschlich geprägte Entwicklungsgeschichte und haben einen wichtigen Einfluss auf das Pflanzenwachstum und den Geschmack der Weintrauben. Zudem tragen sie mit ihren Pflanzen zur Schönheit der Landschaft in unserem Land bei. Gleichzeitig sind die Rebbergböden gefährdet, an Vorzugslagen stehen sie unter Siedlungsdruck. Mit dieser Wahl sensibilisiert die BGS die Öffentlichkeit für dieses Thema und hofft, dass möglichst viele Interessierte vermehrten Zugang zu diesen spannenden Böden finden.

Steckbrief

Bodentyp: Braunerde
Bodenart: Lehm
Ort: Ligerz, Schernelz (Kanton Bern), 550 m ü. M.

Verschiedenes Ausgangsgestein (Moräne, Kalkstein) sowie menschliches Einwirken (tiefes Umgraben: «Rigolen») prägen den Boden in diesem Rebberg. Dazu kommen Verschiebungen von Bodenmaterial durch Erosion bzw. Akkumulation. Seit der Rebberg begrünt wird, treten natürliche Bodenumlagerungen aber kaum mehr auf. Der pH schwankt zwischen 6.8 und 7.2, die Bodenart ist Lehm. Durch das tiefe Rigolen wurde entkarbonatetes und kalkhaltiges Ober- und Unterbodenmaterial vermischt und humoses Bodenmaterial bis in 70 cm Tiefe eingearbeitet.

 

 

 

 

Risiken: Erosion, Kupfereintrag

Bodenerosion  

Ein grosser Teil der schweizerischen Rebböden befindet sich in ausgesprochenen Hanglagen mit Neigungen von über 20 %. In Rebbergen kann die Bodenerosion bei Starkniederschlägen um ein Vielfaches höher sein als auf anderen Nutzflächen, wie wissenschaftliche Experimente gezeigt haben. Schutz vor Bodenerosion bieten die Bepflanzung der Gassen, das Abdecken des Bodens mit Schnittgut, die konservierende Bodenbearbeitung und die Erstellung von Querterrassen. Beides (letzteres) begünstigt aber das Austrocknen der Rebkulturen und kann an extrem trockenen Standorten zu Ernteeinbussen führen. Daher eignet sich die Rebgassenbegrünung nur in Gebieten mit mehr als 700 mm Niederschlag pro Jahr oder auf sehr tiefgündigen Böden.

Pflanzenschutz  

Zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten wird in Rebbergen oft kupferhaltiges Pflanzenschutzmittel eingesetzt. In den 1920er bis 1950er Jahren wurde sehr viel Kupfer ausgebracht, bis zu 50 kg pro Hektare und Jahr. Das Kupfer reichert sich im Boden an und ist insbesondere in sauren Böden (erhöhte Auswaschungsgefahr) oder bei Umnutzung problematisch. Seit den 1980er Jahren werden deutlich geringere Kupfermengen von ca. 1-2 kg pro Hektare und Jahr ausgebracht. Die Gehalte an Kupfer übersteigen in den meisten Rebbergen die gesetzlichen Prüfwerte.

 

Terroir: Boden und Wein

Ist es möglich den Boden, in dem eine Rebsorte gewachsen ist, im Wein zu  schmecken? Sicher ist, dass Bodeneigenschaften den Wuchs der Pflanzen und damit auch die Ernteprodukte beeinflussen. Ton- und Kalkgehalt, Verfügbarkeit von Mikronährstoffen wie Eisen oder Mangan, Durchlässigkeit für Niederschlagswasser, Durchwurzelungstiefe - das alles sind Bodeneigenschaften, die eine Auswirkung auf die Qualität der Trauben haben. Der Begriff ‚Terroir‘ bezeichnet den Einfluss der natürlichen lokalen Standortfaktoren Boden, Ausgangsgestein, Hangneigung und Klima auf die spezifischen Eigenschaften

einer Rebsorte und damit den Geschmack des daraus gekelterten Weins. Man schmeckt also nicht nur den Boden, sondern auch die Sonnenscheindauer, Trockenphasen, tiefe Nachttemperaturen und ... die Arbeit der Winzer.

 

Testimonials - Témoignages - Testimonianze

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«La qualité des raisins récoltés sur chaque parcelle de vigne est caractérisée non seulement par le sol mais aussi par le climat, l’ histoire locale, les cépages qui y poussent et le travail du viticulteur. L’interaction de tous ces facteurs donne au vin une typicité et une diversité qu’il convient de valoriser et de préserver au mieux.»
Stéphane Burgos, Vize-Präsident BGS-SSP, Ecole d'ingénieurs de Changins

«Lorsque je bois un verre de « Vinzel », c'est immédiatement la notion de terroir qui me vient à l'esprit avec toutes les caractéristiques identitaires typiques du sol viticole local »
Guy Parmelin, conseiller national Vaudois